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Alles begann am 29.11.1975, als ein Arzt und eine Hebamme ihren Dienst auf der Geburtsstation eines Sanatoriums in Graz- Eggenberg verrichteten. Außer dass an diesem Novembertag die Sonne schien, passierte an diesem Samstag weiter nichts Ungewöhnliches- zumindest nicht für den Arzt und die Hebamme. Und die Sonne im November ist ja eigentlich ungewöhnlich genug. Für mich war allerdings ziemlich ungewöhnlich, was da in diesem Zimmer um 14:30 mitteleuropäischer Zeit passiert ist, und ehrlich gesagt, hab ich mich immer noch nicht ganz daran gewöhnt. Aber ob ich nun daran gewöhnt bin, oder nicht: Ich bin da, auf der Erde, dem dritten Planeten unseres Sonnensystems. Das wusste ich aber damals natürlich noch nicht. Langsam kam aber Licht in die ganze Sache, wer meine Eltern waren, wer meine Schwester war, dass meine Stadt Graz hieß und mein Land Österreich. Ich lernte, dass es andere Kinder gibt, von denen ein paar meine Freunde wurden, dass es Tiere gibt (in meinem Fall ein Meerschweinchen, Fipsi), einen Wald, in dem man „Lager“ bauen kann, einen Spielplatz, auf dem man rennen kann, so schnell es geht, und dass man zu Musik tanzen kann (hüpfen kann, zucken kann). Dann wurde mir klar, dass es die Schule gibt, dass es Erwartungen gibt und damit auch die Enttäuschungen kommen. Aber jede Auseinandersetzung, und jeder Konflikt ist wieder gegangen wie er gekommen war, und nur die Freunde sind geblieben. Jedenfalls- anstatt „was mit Sprachen“ zu studieren, kam es anders. Vielleicht hatte es etwas mit einer Unterhaltung zu tun, die ich mit 17 Jahren in einem Cafe in Graz mit Ricarda Ludigkeit geführt habe. (Das Cafe gibt’s nicht mehr, ich bin überzeugt sie haben es nur deshalb hingestellt, damit ich Ricarda dort treffen kann). Es ging darum, ob ich denn schon mal darüber nachgedacht hätte, auf die Bühne zu gehen. Ich sagte: „Nein, aber ich werd drüber nachdenken“. Jetzt, ein paar Jahre später, nach meiner Ausbildung im Performing Center Austria in Wien, einer Schauspielausbildung in New York, nach kleinen, ganz kleinen, großen, und ganz großen Engagements auf der Bühne als Darsteller und nach meiner Bühnenarbeit als Regisseur und Autor, denke ich zwar noch immer „drüber nach“, kann meinen Weg dahin aber wohl nicht leugnen, oder würde damit zumindest unglaubwürdig wirken. Drum mach ich weiter so, denn das ist wahrscheinlich für mich der einzige Weg, der mir das Gefühl gibt, mich nicht an meine Existenz auf dieser Erde gewöhnen zu müssen, die ich, ungewöhnlicher Weise, an diesem sonnigen Novembertag um 14:30 betreten habe. |
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